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Comic - Ein Airfryerwesen spuckt pommes auf einen Teller

Fridolin Frittenfön

In unserem Haushalt wird die Kunst der Zubereitung von Lebensmitteln sehr hochgehalten. Dementsprechend gibt es auch das ein oder andere (vielleicht unnötige?) Gerät in der Küche. Nein, den temperierten Mixbecher des Staubsaugerherstellers – den nicht. Ich sagte ja auch „Kochkunst“. Und nicht „religiöse Wahnvorstellung“!

So zog neulich z. B. eine knapp 10 Kilo schwere Maschine ein, welche die dritte Dimension aus einem Frischeinudelteigklumpen durch sanften Druck herausquetscht. Weil halt frische Tagliatelle zum Ragú schon geiler sind als das rehydrierte Nudeltrockenfutter aus der Tüte. Und weil mir halt meine Handgelenke nach dem Ausrollen des Teigs mit dem Mattarello wehtun. Mann wird halt alt. Auch materialisierte DHL vor Kurzem einen Pizzaofen in der Küche. Weil halt so eine neapolitanische Pizza standesgerecht bei ein paar hundert Grad mehr kremiert werden will, als der normale Backofen hergibt.

Vor zwei, drei Wochen lebte irgendwie die Idee auf, einen Air Fryer zu kaufen, weil halt der normale Backofen für ein bisschen Ofengemüse oder zum Aufbacken einiger Semmeln am Sonntagmorgen zu groß und der Pizzaofen dafür gänzlich ungeeignet ist. Also wurde ein derartiges Gerät aus dem Hause Shogun … nein, … Samurai, … nein, … mir fällt der Name des Herstellers nicht ein, aber irgendein japanischer Krieger war’s … erworben.

Die Maschine wurde geliefert, ich schälte alle Verpackungsmaterialien innen wie außen ab, feudelte sie, wie in der Anleitung beschrieben, mit einem feuchten Lappen durch und ließ sie halt mal laufen. Als ich 10, 15 Minuten später meine Nase in die Küche steckte, wurde ich an meine Kindheit erinnert. Genauer gesagt an die halbe Woche, als im Nachbarort das Zentrallager eines großen Reifenhändlers lichterloh brannte und wir deswegen schulfrei bekamen. Exakt so stank es in meiner Küche, nur der Reifenruß fehlte. Zwei Stunden später war das Gerät kalt, die Küche konnte wieder halbwegs ohne Atemschutzgerät betreten werden, und der japanische Gaskriegerfürst machte sich zurück auf den Weg nach China.

Ich ließ mich überzeugen und bestellte ein anderes Gerät eines anderen Herstellers – Curiosi heißt der, oder so. Auch dieses Gerät wurde geschält, gefeudelt und vorsichtig eingefahren. Ja, auch die Air aus dem zweiten Fryer roch ein bisschen nach einem Reifenbarbecue, aber halt nur ein bisschen. Und nach ein paar Minuten war dieser Geruch vorbei. Was auch positiv ist: Der Curiosi ist nicht halb so laut wie sein Vorgänger …

Heureka, wir haben ein neues Spielzeug. Die Frau war mit dem (wegen der vielen heißen Luft sehr naheliegenden) von mir vorgeschlagenen Namen „Markus Södair“ nicht einverstanden („Ja iiiiih, aus dem will ich nichts essen.“), und so wurde das Gerät kurzerhand „Fridolin Frittenfön“ getauft.

Fridolin wurde zwischenzeitlich zu einem geschätzten Mitbewohner und hat schon eine Vielzahl leckerer Dinge ausgespuckt. Wobei „ausgespuckt“ vielleicht auch der falsche Begriff ist. Hackbällchen: wunderbar. Überbackene Seelen: wunderbar. Hähnchenschenkel: wunderbar. Pizzarest aufwärmen: wunderbar. Semmeln und Brezen aufbacken: wunderbar. Backofengemüse: gut, wir müssen aber noch etwas üben, der Brokkoli war ein wenig ungleich gegart! Gefüllte Auberginen: wunderbar. Usw., usw., usw.

Während der normale Backofen noch darüber nachdenkt, demnächst vielleicht einmal warm werden zu wollen, ist Fridolin schon auf Betriebstemperatur und emsig damit beschäftigt, das Futter zu kochen. Neben Zeit und Energie während der nicht vorhandenen Aufheizphase spart man auch beim Reinigen Zeit, weil Fridolins Innenleben halt fix im Spülbecken gereinigt werden kann, anstatt dass man einen halben Tag im Backofen herumkriechen muss. Eine dolle Ergänzung für kleine Haushalte, so ein Frittenfön.

Der einzige Nachteil ist, dass Fridolin uns zwischenzeitlich durch sein Piepen nach Ablauf des Timers so konditioniert hat, wie einst Pawlow seine Hunde. Wenn Fridolin klingelt, tropft der Zahn. Aber so muss das wohl.

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Kommentare

2 Kommentare zu „Fridolin Frittenfön“

  1. Avatar von Gitte

    Hallo Holger,

    witzig, wie du das hier schreibst. Hast du das Bild selbst gemalt? Wenn ja, riesengroße Klasse.
    Jedenfalls habe ich deinen Text sehr gerne gelesen!

    Viele liebe Grüße
    Gitte

    1. Avatar von Holger

      Nein, nein, … das ist aus der KI gefallen. Zeichnen kann ich nicht. 😀

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