Kirchseeon ist eine Ortschaft südöstlich von München und so etwas wie eine Hochburg des Perchtenbrauchtums in unserer Gegend. Perchten sind Gestalten aus dem alpenländischen Brauchtum, die vor allem in den Wintermonaten bei sogenannten Perchtenläufen auftreten. Sie tragen meist furchterregende Masken mit Hörnern, Fell und schweren Glocken und stellen dämonische oder tierische Wesen dar. Der ursprüngliche Zweck der Perchten war es, böse Geister des Winters zu vertreiben sowie Fruchtbarkeit, Glück und Schutz für das kommende Jahr zu sichern.
Traditionell unterscheidet man zwischen „Schönperchten“, die Ordnung, Glück und Wohlstand symbolisieren, und „Schiachperchten“, die Chaos und Unheil verkörpern. Der Brauch hat seine Wurzeln in vorchristlichen, heidnischen Ritualen des Alpenraums, die eng mit dem Jahreszeitenwechsel verbunden waren. Zentral ist dabei die Figur Perchta, eine mythologische Frauengestalt, die als Hüterin von Ordnung, Moral und Jahresrhythmus galt. Soweit ich es verstanden habe, handelt es sich dabei um die Figur mit der hellen und dunklen Seite beziehungsweise dem freundlichen und dem bösen Gesicht. In den Sagen belohnt Perchta Fleiß, Gastfreundschaft und das Einhalten von Regeln, während sie Faulheit, Unordnung oder moralisches Fehlverhalten bestraft.
Gestern fand in Kirchseeon die jährliche große Rauhnacht statt, von der ich zufällig vor ein paar Wochen gehört habe. Ich war etwas skeptisch, ob es sich lohnt, extra dorthin zu fahren; bei uns im Ort gab es nämlich jahrelang ein ähnliches Spektakel, das aber dank Rammstein-Dauerbeschallung nicht sonderlich angenehm war. Die Rauhnacht in Kirchseeon sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man etwas Spaß an Brauchtum und derartigen handgeschnitzen Masken hat. Kein Wunder also, dass die Veranstaltung zum Immateriellen Kulturerbe des Freistaates Bayern gehört. Gut möglich, dass ich da mal wieder hingehe…
Ach ja: Die Perchten gingen sehr freundlich mit dem Publikum, insbesondere mit Kindern, um. Schöne Sache!




























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